ANDREAS  MATTERN - AQUARELLE  & RADIERUNGEN

 

Andreas Mattern: Was ist eine Radierung?  

Am Anfang der Radierung steht die Zeichnung. Als es noch keine Computer in jedem Haushalt gab und es auch noch keine Selbstverständlichkeit war, einen Fotoapparat zu besitzen war die Radierung die aktuelle Methode, Zeichnungen – sprich Kunst zu vervielfältigen und einem breiten Publikum zugänglich zu machen.

Wie aber entsteht die Radierung? Die Zinkplatten werden mit Wachs abgedeckt. Manchmal zeichne ich nun mit einem Bleistift mein Motiv spontan in die Platte oder ich übertrage eine Zeichnung. Dort, wo der Wachs durch den Bleistift abgekratzt wird, kann die Säure die Zinkplatte ätzen. Die Strichätzung entsteht. Wenn ich die Platte in die Säure lege, entsteht ein beißender Dampf. Noch Tage danach ist mein Geruchssinn eingeschränkt. Wie lange die Platte in der Säure bleibt ist das Geheimnis des Radierers. Es soll nur soviel gesagt sein: je länger die Platte geätzt wird desto dunkler werden die Linien. Mit Nitrolösung wird der Wachs entfernt und danach wird die Platte mit Spüli gesäubert.

Jetzt muss die Farbe in die Zinkplatte eingerieben werden. Dazu benutzt man Gaze. Die Gaze hängt in unserer Werkstatt nach Farben sortiert auf Strippe.

Es ist sehr anstrengend, die Farbe in die Platte zu reiben. Man könnte Handschuhe anziehen, wenn man die Farbe einreibt. Aber ich finde der unmittelbare Kontakt zur Platte geht dann verloren. Das Gefühl, die Farbe in die Linien zu reiben ist sehr ursprünglich. Nun kommt der spannende Augenblick. Die Platte wird auf die Presse gelegt. Das Papier ist schon am Abend zuvor eingeweicht worden. Beim Tiefdruck muss das Druckpapier eingeweicht werden, damit die Farbe in das Papier gepresst werden kann.

Die Radierung ist aber auch kompliziert. Eigentlich geht es ja hier um den Tiefdruck, weil der Begriff Radierung oft falsch gedeutet wird. Man unterscheidet beim Tiefdruck mechanische und chemische Verfahren.

Mechanische Verfahren: Stich, Kaltnadel, Mezzotinta. Hier wird direkt auf der Platte gearbeitet, also in die Platte gestochen, geritzt oder geschabt.

Chemische Verfahren: Radierung (Strichätzung), Aquatinta usw.

Radierung ist abgeleitet aus dem lateinischen, radere=reißen. Der Widerspruch besteht aber darin, das die Arbeit mit der kalten Nadel eigentlich keine Radierung ist, obwohl hier ja in die Platte "gerissen" wird. Die eigentliche Radierung entsteht aus dem chemischen Verfahren, indem die Säure das Metall da angreift wo es nicht mit Abdecklack abgedeckt ist, es muss sich aber um Linien handeln, handelt es sich um Flächen ist es Flächenätzung oder Aquatinta. In der Regel wird eine Radierung auf Kupfer- oder Zinkplatten gefertigt, Kupferplatten lassen sich auch verstahlen, so dass man auch Drucke bis ca. 200 Stück in guter Qualität anfertigen kann. Bei Zink geht das nicht, man kann höchstens 40 Abzüge von guter Qualität anfertigen. Danach sind die weichen Platten nicht mehr zu gebrauchen. Die Linien und Flächen haben sich wieder fast wie bei Knete geschlossen.

Bei der Aquatinta (körnige Radierung) arbeitet man zusätzlich noch mit Staub aus Asphalt oder Harz, der gleichmäßig aufgetragen und dann eingeschmolzen wird. Die Zwischenräume zwischen den geschmolzenen Staubkörnern, ergeben eine Fläche. Geätzt wird in der Regel mit Salpetersäure.“

Zum Radieren gehört auch Konzentration und Ruhe. Es müssen Entscheidungen,getroffen werden, was geätzt werden muss und was nicht – und das natürlich immer in der „Negativform“ .

Die Platten werden beim Drucken immer fast 100% gerade und korrekt übereinander auf die Presse

gelegt .Dazu gehört auch ein perfektes Augenmaß.

  

Strichätzung

 

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